SAP

Die Zukunft als Programm

Wie ein deutscher Softwaregigant die russische Wirtschaft digitalisiert

Nicht einmal drei Kilometer vom Roten Platz entfernt liegt „die Fabrik“. So nennt der SAP-Manager Andrej Bievetski die Software-Schmiede des deutschen Konzerns. Wenn Bievetski von „engines“ und „assembly“ spricht, klingt es nach Industrie. Mit Motoren und Fertigung haben seine Mitarbeiter aber wenig zu tun. Sie schreiben an Programmen für die digitale Zukunft der Wirtschaft. Bievetski leitet die Entwicklungsabteilung des deutschen Softwaregiganten SAP in Russland und einigen Nachbarländern. 

In seiner „Fabrik“ sitzen die Ingenieure vor einem, zwei, manchmal auch drei Bildschirmen und arbeiten an hochkomplexer Unternehmenssoftware.

„Hier zu produzieren bedeutet für uns, dass wir die Produkte für den russischen Markt anpassen“, erklärt er. Es werden allerdings nicht nur die Benutzeroberflächen ins Russische übersetzt. Sie müssen zum Beispiel auch berücksichtigen, dass es in Deutschland und Russland unterschiedliche gesetzliche Vorgaben für das Rechnungs- und Personalwesen gibt.

Andrej Bievetski (rechts) und Johannes Dressler im Digital Boardroom der Moskauer Zentrale.

Der Alltag eines Unternehmens ist voller Fragen: Wieviel Geld ist noch auf dem Konto? Wann haben die Mitarbeiter Urlaub? Welche Ware ist noch auf Lager und wer liefert den Nachschub? Früher musste man in Bergen von Papier nach Antworten suchen, heute kommen sie per Mausklick auf den Monitor – in Echtzeit. Der Pionier auf diesem Gebiet ist zwischen Rhein und Neckar zuhause. Aus dem badischen Walldorf treibt SAP seit den Siebzigerjahren die Entwicklung von Unternehmenssoftware voran und ist seit Langem Weltmarktführer.

Gemessen am Umsatz beherrscht SAP die Hälfte des russischen Marktes für Unternehmenssoftware.

Die starke Position verdankt es auch dem großen Pool an Experten, die seine Software einrichten und betreuen können. In einem Vierteljahrhundert hat SAP in Russland über 20 000 Spezialisten ausgebildet. In Moskau pflegt es auch eine Partnerschaft mit dem am Stadtrand ansässigen Innovationszentrum Skolkovo, das die besten Köpfe des Landes anzieht. Partner und Start-ups arbeiten von hier aus daran mit, wenn SAP seine Programme in Russland heimisch werden lässt. 

Der Bedarf an modernster Software ist groß. Russland ist etwa bei E-Commerce und digitaler öffentlicher Verwaltung ein Vorbild für andere Länder, auf dem Gebiet der Industrie 4.0 hinkt es aber hinterher. Unternehmen sind heute effizienter als je zuvor, nicht zuletzt weil die Software von SAP es ihnen ermöglicht, alle Bereiche ihrer Tätigkeit zu vernetzen. Diese vierte industrielle Revolution hat in Russland gerade erst begonnen.

Im sogenannten d-shop, einer Art Bastelwerkstatt, können die Moskauer SAP-Entwickler ihrer Kreativität freien Lauf lassen.

Während russische Anbieter von Unternehmenssoftware vor allem bei kleineren und mittleren Betrieben Kunden finden, bleiben die Walldorfer der Standard bei den ganz Großen des Landes. Um Mitarbeiter zu rekrutieren, zu schulen und ihre Leistung zu messen, nutzen beispielsweise einige der russischen Telekommunikationsriesen das Cloud-Produkt SAP SuccessFactors aus dem lokalen Rechenzentrum. 

Auch in der Metallindustrie steckt viel SAP, dessen Software Logistik und Produktion optimiert und die Ausfallzeiten wegen Reparaturen verkürzt.

Ein großer russischer Stahlproduzent baute mit Hilfe von SAP einen Onlineshop für Rohre, Platten und weitere Teile aus Metall, die Firmenkunden sich dort tonnenweise in den virtuellen Einkaufskorb legen und deren Zustellung verfolgen können. Die Programme von SAP können heute mit dessen neuem Datenbank-System verknüpft werden, das Unmengen von Informationen in Echtzeit auswerten kann. Teile dieser Software werden auch von der Moskauer Einheit „zusammengebaut“, wie sich Bievetski ausdrückt.

Software von SAP analysiert in Echtzeit das Geschehen auf dem Fußballfeld.

Seine 170 Entwickler arbeiten mit Kollegen in weiteren „Fabriken“ auf der ganzen Welt zusammen. In diesen sogenannten SAP Labs entstehen neue Produkte und Technologie-Plattformen für Kundeninnovationen. „Dass eines der Labs seit 2012 auch in Russland beheimatet ist, hat gute Gründe“, erklärt Finanzdirektor Johannes Dressler. Zum einen seien das die vielen Talente im IT-Bereich. Russland ist bekannt für seine starken Programmierer, die im neuen Jahrtausend Firmen von Weltrang geschaffen haben wie Yandex oder Kaspersky Labs. Auch andere deutsche Unternehmen, etwa aus der Finanzbranche, entwickeln hier mit Hunderten russischen Spezialisten einen beträchtlichen Teil ihrer weltweiten Software.

SAP profitiert in Russland jedoch auch von der Nähe zu den größten Kunden.

„Produktion vor Ort unterstützt den Verkauf vor Ort“, so Dressler. Ein Beispiel dafür ist das Datenzentrum, das SAP mit Rostelekom in Moskau betreibt – hunderte Server, autonome Stromversorgung, höchste Sicherheitsstufe und ein zweites Zentrum als Backup. Damit kann SAP Cloud-basierte Anwendungen anbieten, denn es erfüllt die gesetzliche Forderung, bestimmte Daten im Inland zu speichern. Andere Hindernisse sind schwieriger zu überwinden. So sollen Behörden auf ausländische Software verzichten, wo immer es einheimische Alternativen gibt. Dagegen setzt SAP auf seine Innovationskraft. Denn bis die Konkurrenz aufgeholt hat, will es längst einen Schritt weiter sein.

Fotos: Hans-Jürgen Burkard 

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