Kuehne + Nagel

Architekten des Transports

Ein Logistikgigant mit Tradition setzt in Russland auf Menschen statt auf Fahrzeuge

Die Regale im Supermarkt sind voll. Rot, gelb und grün leuchten Paprika, Zitrusfrüchte und Tulpen im Hochsommer ebenso wie im tiefsten russischen Winter. Sie haben Meere, Kontinente und Grenzen überwunden. Dutzende verschiedener Unternehmen waren auf dieser Reise für die Waren verantwortlich, manche nur wenige Meter vom Lager in den Lastwagen, andere tausende Seemeilen. 

Sie alle zu vernetzen und zu koordinieren, damit die Waren zur richtigen Zeit am richtigen Ort in den richtigen Fahrzeugen landen, das ist Aufgabe der Logistiker, der „Architekten des Transports“, wie Perry Neumann sagt. Er ist Russland-Chef von Kuehne + Nagel, einem der größten Logistik­dienstleister der Welt.


Gegründet 1890 in Bremen, beschäftigt die inzwischen an der Schweizer Börse notierte Aktiengesellschaft heute 76 000 Mitarbeiter in mehr als hundert Ländern. 

Nach und durch Russland lotst das Unternehmen fast alles, was irgendwo im größten Flächenstaat der Erde gebraucht wird.

Das sind zum Beispiel Lebensmittel und Kleidung, aber auch Ersatzteile und Komponenten für Firmen. Kuehne + Nagel lässt Schrauben, Bolzen und Stahlträger auf Ölplattformen oder ganze Produktionslinien in Fabriken bringen, und zwar per Lastwagen, Schiff, Flugzeug oder Bahn, je nachdem, wie schnell es gehen muss und was es kosten soll. Wenn bei sportlichen Groß­ereignissen Russland im Mittelpunkt der globalen Öffentlichkeit steht, bringt Kuehne + Nagel zum Beispiel die komplette Ausrüstung von Fernsehsendern aus aller Welt in die Stadien.

Kuehne + Nagel zählt zu den drei größten Logistikdienstleistern in Russland, obwohl es nur ein Prozent Marktanteil erreicht. Denn die Branche ist so stark fragmentiert, dass die zehn größten Logistiker zusammen nicht einmal auf fünf Prozent kommen. Neumann sieht darin eine Chance. „Wir wollen weiter expandieren“, verrät der Manager, der 2008 die Leitung der russischen Tochtergesellschaft übernahm. 

Kurz zuvor hatte Klaus-Michael Kühne, Mehrheitseigentümer und Enkel eines der beiden Unternehmensgründer, sich dafür entschieden, mehr in Osteuropa und besonders in Russland zu investieren. Die Zahl der Beschäftigten ist inzwischen von achtzig auf mehr als tausend gestiegen. Sie arbeiten in gut zwei Dutzend Büros und Warenlagern zwischen Sankt Petersburg und Sachalin an der Grenze zu Japan, Tendenz steigend.

In jüngster Vergangenheit hat das Unternehmen sein Netzwerk für den Transport innerhalb Russlands ausgebaut.

Sogenannte Sammelgutlinien, eine Art Linienverkehr für Güter, verkehren täglich zwischen den industriellen Zentren des Landes, von Sankt Petersburg bis Krasnodar in Nord-Süd-Richtung und von Kaliningrad im Westen bis Nowosibirsk im Osten. 

Damit hat Kuehne + Nagel darauf reagiert, dass immer mehr internationale Firme ihre Waren für den russischen Markt im Inland produzieren und sich dafür verstärkt auch in die Regionen begeben, die sie mit guten Investitionsbedingungen locken. Das schafft auch neue Wege für Logistiker, die längst nicht mehr nur Transporte von A nach B organisieren.

„Unsere Arbeit beginnt oft schon im Werk eines Kunden“, erzählt Perry Neumann. Von seinen Angestellten arbeiten etwa ein Drittel am Schreibtisch, der Rest in Warenlagern und manche sogar direkt in Fabriken. Kuehne + Nagel bewirtschaftet etwa das Lager des größten Konsumgüter-Exporteurs, des finnischen Reifenherstellers Nokian Tyres, bei Sankt Petersburg. 

Logistiker des Unternehmens stehen auch am Fließband, wenn Autos gebaut werden oder füllen Regale auf, bestellen Materialien und Ersatzteile. „Das war Anfang der Neunzigerjahre noch anders, als Kuehne + Nagel mit dem Russland-Geschäft begann. Damals vergaben heimische Hersteller noch wenig an externe Dienstleister“, so der Generaldirektor. Der Schlüssel zum Erfolg ist in Russland aber etwas anderes. 

„Wir haben kein Produkt, das man anfassen kann, und in Russland auch keine eigenen Fahrzeuge. In unserem Geschäft entscheiden die Menschen“, erklärt Neumann.

Verantwortlich für den Transport zu Land sowie für Kontraktlogistik ist Paolo Maraschi (im Bild).

Den Transport zu Wasser verantwortet Mario Vrljicak und zu Luft sein Kollege George Gharibian.

Für die Kunden ist in Russland besonders wichtig, dass die Logistiker ihre Waren gut durch den Zoll bringen. Deshalb hat Neumann Spezialisten für diese Dienstleistungen.

Mitarbeiter zu finden und zu halten ist für den Generaldirektor eine der größten Herausforderungen. Kuehne + Nagel hat deshalb wie viele westliche Unternehmen in Russland sein eigenes Aus- und Weiterbildungssystem entwickelt und setzt auf ein gutes Arbeitsklima. „Meine Tür steht immer offen“, sagt Neumann. 

Bei einer anderen russischen Herausforderung kann der Chef dagegen weniger ausrichten. Manche Straßen sind im Winter oder in der Schmelzperiode kaum befahrbar. Einen Schwertransport mit bis zu zweihundert Tonnen Spezialladung kann das monatelang aufhalten. Dass in Russland manches etwas länger dauert, hat Neumann bald gemerkt. Aus seinem ersten Dreijahresvertrag wurde inzwischen mehr als ein Jahrzehnt. 

„Ich kann mir keinen spannenderen Markt vorstellen“, gesteht er, weil es für sein Unternehmen in Russland immer mehr zu bewegen gibt.

Fotos: Evgeny Kondakov, Kühne + Nagel

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