GEA

Maßgeschneidert für die Kälte

Ein Düsseldorfer Anlagenbauer stattet russische Betriebe in beinahe allen Industriebereichen aus

Im engen Eiskanal rasen die Athleten mit mehr als hundert Stundenkilometern dem Ziel entgegen. Nicht mal eine Minute brauchen sie für die siebzehn Kurven der Bobbahn nahe der Olympiastadt Sotschi. Dass sie reibungslos über das Eis gleiten, dafür sind die Ingenieure des Anlagenbauers GEA verantwortlich. Um den Beton unter der dünnen Eisschicht zu kühlen, leiten sie flüssiges Ammoniak durch dünne Rohre unter der Bahn. In schattigen Kurven weniger, in sonnigen mehr, damit das Eis überall dieselbe Temperatur hat. Gesteuert wird dieser Prozess im Maschinenraum mit seinen Kühlaggregaten, Pumpen und Ventilen.

Das deutsche Unternehmen sorgt in Russland nicht nur für frostige Temperaturen. Es lässt Kühe beim Melken Karussell fahren, pumpt flüssiges Gas in große Tanks und liefert Maschinen, die Kaffeebohnen in lösliches Pulver verwandeln.

Dass die Produktpalette von GEA so breit gefächert ist, liegt an der Geschichte des Konzerns. Seine Keimzelle war ein 1881 gegründetes Metallhandelsunternehmen, das durch Übernahmen kleiner und mittlerer Betriebe über die Jahrhunderte wuchs. Der Name GEA geht auf die „Gesellschaft für Entstaubungsanlagen“ zurück. Heute hat die Gruppe mit Sitz in Düsseldorf mehr als 250 Töchter. Zusammen sind sie einer der größten Anlagenbauer für die Nahrungsmittelindustrie, bedienen mit ihren Produkten aber auch zahlreiche andere Branchen. 18 000 Mitarbeiter erwirtschaften jährlich einen Umsatz von mehreren Milliarden Euro. 

Durch die Anlagen des Unternehmens laufen weltweit etwa ein Viertel der verarbeiteten Milch, ein Drittel aller Hähnchennuggets und jeder zweite Liter Bier.

In Russland machen einige der Teilgesellschaften schon seit Jahrzehnten Geschäfte. Melkmaschinenhersteller, die heute zu GEA gehören, exportieren seit den Neunzigern in den größten Flächenstaat der Erde. Bereits zu DDR-Zeiten verkaufte der „Volkseigene Betrieb Kühlautomat“, der nach der Wende in GEA aufging, tausende Verdichter aus Ostberlin in die Sowjetunion und war damit der Hauptlieferant von Kältekompressoren.

Aus Westdeutschland schickte zu dieser Zeit schon die später von GEA übernommene Firma Westfalia ihre Separatoren gen Osten. Das sind Geräte, die eingesetzt werden, um unter anderem Feststoffe von Flüssigkeiten zu trennen. In Russland stehen sie heute zum Beispiel auf sibirischen Ölfeldern, wo sie Ölschlamm schleudern, bis reines Erdöl übrig bleibt.

Bis vor ein paar Jahren hat GEA alle Anlagen aus Westeuropa importiert. Oft mussten sie in Russland angepasst werden, damit sie den heimischen Vorschriften entsprachen. „Das hat sich inzwischen geändert“, sagt Russland-Chef Oliver Cescotti (Bildmitte).

„Heute sitzen unsere russischen Ingenieure von Beginn an mit am Tisch oder sie übernehmen das Engineering gleich selbst.“

Auch produziert werden die Anlagen mittlerweile zum Teil lokal. In Woronesch entstehen Desinfektionsmittel für die Landwirtschaft, im Moskauer Gebiet Stallausrüstung. Nahe der Hauptstadt betreibt GEA seit 2015 ein „multifunktionales Montagewerk“, wie Cescotti es nennt, weil dort alles gemacht wird, was Kunden aus verschiedenen Branchen gerade nachfragen. Jede Anlage wird maßgeschneidert.

Für all seine Projekte beschäftigt GEA in Russland insgesamt 500 Menschen, mehr als die Hälfte davon Ingenieure. Ein Drittel arbeitet im Service, denn GEA wartet sowohl die eigene Technik als auch die der Konkurrenz.

Das Herz vieler Anlagen ist wie bei der Bobbahn ein Verdichter oder wie auf dem Ölfeld ein Separator oder Dekanter. „Diese Kernkomponenten kommen aus den GEA-Werken in Westeuropa. Aber die gesamte Anlage drum herum entwerfen und bauen wir hier“, erklärt Cescotti.

Damit hat das Unternehmen auch auf die russische Politik reagiert, die Investitionen in die lokale Produktion fördert. Lokale Anlagenbauer wie GEA sind im Vorteil, wenn Schlachthöfe und Molkereien neue Fabriken errichten. Voraussetzung für manche Aufträge ist aber, dass ein wesentlicher Teil der Anlagen in Russland gebaut wird. Andere internationale Hersteller haben sich deshalb verpflichtet, grundsätzlich große Teile der Fertigung in Russland durchzuführen. Dafür dürfen sie ihre Produkte offiziell „Made in Russia“ bezeichnen.

GEA geht mit dem multifunktionalen Montagewerk einen anderen Weg. „Wir prüfen im Einzelfall, was wir lokal produzieren können“, sagt Cescotti. „Die Kunden wissen es zu schätzen, dass wir auf die Erfahrung eines globalen Konzerns zurückgreifen können und mit diesem Wissen hier so viel wie möglich produzieren, wenn es für sie wichtig ist.“

Ein Vorteil sei auch, dass er und seine fast ausschließlich russischen Mitarbeiter ohne Sprachbarriere mit den Kunden kommunizieren, erklärt der Länderchef, der schon 1986 in der Sowjetunion Russisch studierte. Für ihn gleicht Russland einer Matrjoschka-Puppe.

„Je tiefer man hineinschaut, desto mehr Überraschungen kommen zum Vorschein“, findet Cescotti.

So ähnlich ist es mit GEA. Wenn man in Russland ein Werkstor öffnet, kommt in vielen Fällen eine Anlage des Unternehmens zum Vorschein.

Fotos: Hans-Jürgen Burkard

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